Eigentlich deuteten alle Zeichen auf eine langweilige Oscar-Nacht hin. David Finchers Facebook-Film The Social Network räumte einen Kritikerpreis nach dem anderen ab. Spätestens mit dem Triumph bei den Golden Globes schien der Sieg in der Oscar-Nacht nur noch Formsache. Dann jedoch meinten die diversen Hollywood-Gewerkschaften die Sache noch einmal spannend machen zu müssen. Produzenten und Regisseure zeichneten klassisches "Oscar bait" namens The King's Speech aus und sorgten damit für Stirnrunzeln. Wem sollte man nun trauen? Den "Vorboten der Oscar-Nacht", also den Golden Globes, oder doch eher den Regisseuren, die zu 90 Prozent auch den späteren Oscar-Sieger auszeichnen?
The King's Speech vs. The Social Network - man könnte im Prinzip eine Münze werfen. Hier meine Tipps für die Kategorien, die mich am Meisten interessieren (in Klammern: mein B-Tipp):
Bester Film: The Social Network (The King's Speech)
Beste Regie: David Fincher, The Social Network (Tom Hooper, The King's Speech)
Bester Hauptdarsteller: Colin Firth, The King's Speech (es kann nur Firth werden)
Beste Hauptdarstellerin: Natalie Portman, Black Swan (es kann nur Portman werden)
Bester Nebendarsteller: Christian Bale, The Fighter (John Hawkes, Winter's Bone)
Beste Nebendarstellerin: Melissa Leo, The Fighter (Hailee Steinfeld, True Grit)
Bestes Original-Drehbuch: David Seidler, The King's Speech (Christopher Nolan, Inception)
Bestes adaptiertes Drehbuch: Aaron Sorkin, The Social Network (es kann nur Sorkin werden)
Bester Animationsfilm: Toy Story 3 (dann hört die Welt auf, sich zu drehen)
Um die anderen Kategorien beurteilen zu können, habe ich zu wenige Filme davon gesehen. Schade finde ich, dass für Winter's Bone, den Coen-Western True Grit und für Aronofskys Meisterwerk Black Swan in den Hauptkategorien nichts zu holen sein wird. Mit Ausnahme natürlich der Auszeichnung für Natalie Portman, die ja auch schon von Opposum Heidi bestätigt wurde.
Sonntag, 27. Februar 2011
Freitag, 18. Februar 2011
Red Hill
Irgendwas muss ja dran sein an diesem Film, den die Kinobar Prager Frühling trotz DVD-Premiere Ende vergangenen Jahres auf die große Leinwand hievt, den Kritiker überwiegend loben, den LVZ-Feuilletonist Norbert Wehrstedt als "grandioses Kino" bezeichnet.
Ja, die Bilder sind fantastisch. Die Landschaftsaufnahmen, die brennenden Häuser und die Gewitterwolken, die wohl gewählten Kameraeinstellungen. Und weiter?
Ist es eine Stärke, wenn ein Film komplett überraschungs- und spannungsfrei bleibt? Wenn er sich Anleihen beim Western nimmt, diese aber so halbherzig umsetzt, dass man das kaum ernst nehmen kann? Wenn man Story-Wendungen und üble Missverständnisse/Verwechslungen 20 Meilen gegen den Wind riecht? Wenn der Hauptdarsteller zwar den beschränkten Bruder von Sookie Stackhouse überzeugend auf die Reihe bekommt, hier aber mit einem eigentlich oberflächlichen Charakter überfordert ist? Macht das Spaß, einem entflohenen Hälftling dabei zuzusehen, wie er Charaktere niedermetzelt, die einem scheißegal sind?
Es ist leider keine Übertreibung: Red Hill ist bis ins kleinste Detail berechenbar. Die Musik plätschert planlos vor sich hin, der "Rachefeldzug" befriedigt nicht einmal die niedersten Instinkte eines Slasher-Freundes. Manchmal fühlt man sich wie in einer Komödie. An welchen Stellen Norbert Wehrstedt die "unheilschwere, düsterdrückende Stimmung" gespürt und ein "gnadenloses schweißtreibendes" Drama gesehen haben will, weiß ich nicht.
Scheiß auf die schönen Bilder. Was für eine Enttäuschung.
Auf DVD/Blu-Ray
Red Hill in der IMDb, Trailer bei YouTube
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| (c) Kinowelt |
Ja, die Bilder sind fantastisch. Die Landschaftsaufnahmen, die brennenden Häuser und die Gewitterwolken, die wohl gewählten Kameraeinstellungen. Und weiter?
Ist es eine Stärke, wenn ein Film komplett überraschungs- und spannungsfrei bleibt? Wenn er sich Anleihen beim Western nimmt, diese aber so halbherzig umsetzt, dass man das kaum ernst nehmen kann? Wenn man Story-Wendungen und üble Missverständnisse/Verwechslungen 20 Meilen gegen den Wind riecht? Wenn der Hauptdarsteller zwar den beschränkten Bruder von Sookie Stackhouse überzeugend auf die Reihe bekommt, hier aber mit einem eigentlich oberflächlichen Charakter überfordert ist? Macht das Spaß, einem entflohenen Hälftling dabei zuzusehen, wie er Charaktere niedermetzelt, die einem scheißegal sind?
Es ist leider keine Übertreibung: Red Hill ist bis ins kleinste Detail berechenbar. Die Musik plätschert planlos vor sich hin, der "Rachefeldzug" befriedigt nicht einmal die niedersten Instinkte eines Slasher-Freundes. Manchmal fühlt man sich wie in einer Komödie. An welchen Stellen Norbert Wehrstedt die "unheilschwere, düsterdrückende Stimmung" gespürt und ein "gnadenloses schweißtreibendes" Drama gesehen haben will, weiß ich nicht.
Scheiß auf die schönen Bilder. Was für eine Enttäuschung.
Auf DVD/Blu-Ray
Red Hill in der IMDb, Trailer bei YouTube
Donnerstag, 10. Februar 2011
Mittwoch, 9. Februar 2011
Bambi: Das Eichhörnchen, das Streifenhörnchen und die Biene
Es passiert selten genug, dass die Pressemitteilungen der Filmverleiher irgendwelche wirklich interessanten Infos beinhalten. Zum Start des Jim Carrey-Films Number 23 durfte man sich beispielsweise über allerhand Anekdoten zur Zahl 23 erfreuen. Geschenkt.
Nun will es Disney mal wieder in der Kasse klingeln lassen und veröffentlicht den Klassiker Bambi und dessen Fortsetzung aus dem Jahre 2006 in einer so genannten "Diamond Edition", natürlich "nur für kurze Zeit". Trotz des stolzen Preises von knapp 30 Euro bin ich sogar ein wenig am Überlegen, ob ich mir das mal leisten soll.
Nun will es Disney mal wieder in der Kasse klingeln lassen und veröffentlicht den Klassiker Bambi und dessen Fortsetzung aus dem Jahre 2006 in einer so genannten "Diamond Edition", natürlich "nur für kurze Zeit". Trotz des stolzen Preises von knapp 30 Euro bin ich sogar ein wenig am Überlegen, ob ich mir das mal leisten soll.
Sowohl der erste als auch der zweite Teil bestechen durch einen ganzen besonderen Charme, der auch Filmen wie Mrs. Brisby und das Geheimnis von NIMH anhaftet, vielen modernen Trickfilmen aber komplett abgeht. Die Mischung aus traditionellem Zeichentrick (im Fall von Bambi mit einer großartigen Mischung aus Detailversessenheit und außergewöhnlichem, innovativen Stil), liebenswerten Charakteren, die keine 200 Wörter pro Minute vor sich hin quasseln (der erste Teil von Bambi soll weniger als 1000 Wörter gesprochenen Dialogs aufweisen), und Momenten wahrhafter Tragik macht's wohl. Das schafft Dreamworks überhaupt nicht und selbst Pixar nur mit Abstrichen.
Nun ja, aufgrund meiner Sympathie für die beiden Bambi-Filme habe ich mich dann ausnahmsweise mal durch die Presse-Mail gelesen. Darin geht's um drei Charaktere aus der Konzeptions-Phase für den ersten Teil, die es später aber nicht mehr in den fertigen Film geschafft haben. Nichts Spektakuläres; ich find's aber ganz interessant:
In der frühen Planungsphase des Films arbeiteten die Disney-Animatoren akribisch an der visuellen Ausarbeitung der verschiedenen Charaktere und füllten so ganze Wände mit ihren Zeichnungen und Konzepten von Waldtieren, die Bambi im Laufe der Geschichte treffen sollte.Unter den vielen Entwürfen finden sich beispielsweise ein Eichhörnchen und ein Streifenhörnchen, die ursprünglich mehrfach im Film erscheinen sollten. Die Figuren wurden bereits in Notizen ausgearbeitet und detailliert charakterisiert. So wurde das Eichhörnchen als ein schnellsprechender, rustikaler Zeitgenosse beschrieben, der in seiner Art und Weise einem netten aber unbeherrschten alten Mann glich. Er erzählt viele Lügenmärchen, die sogar der junge Bambi nicht glaubt und steckt seine neugierige Nase überall hinein. Sein Begleiter – und das genaue Gegenteil – ist ein kleines Streifenhörnchen, was in der Vorstellung der Zeichner eine hohe, piepsige Stimme haben sollte. Er weicht nicht von Eichhörnchens Seite und benimmt sich stets wie dessen Handlanger. Den besonderen Charme dieses Duos machte neben ihrem ständigen Mumpitz auch ihre gemeinsame Liebe zu Nüssen aus.Je weiter die Produktion fortschritt, desto klarer wurde dem Animationsteam, dass das lustige Zusammenspiel der beiden Nager zu sehr von der Haupthandlung ablenkte, weshalb an diesem Einfall schließlich nicht weitergearbeitet wurde.
Ebenso erging es einer kleinen Biene, die sich in den frühen Produktionsnotizen von 1937 findet. Auch hier hatte man bereits ganz genaue Vorstellungen von dem Wesen und der Erscheinung des Charakters. Er wird als kampflustiges, streitsüchtiges und brummiges Kerlchen beschrieben, der wegen seiner aufbrausenden, ja fast cholerischen Art bei den Waldbewohnern nicht besonders beliebt ist. Unter den Zeichnungen fand sich auch eine vollständig ausgearbeitete Episode in der die Biene versehentlich von Bambi verschluckt wird, als dieser ein Büschel Klee frisst.Ursprünglich sollte daraufhin eine mit Dialog ausgeschmückte, humorvolle Szene folgen, in welcher Bambis Freunde versuchen die Biene aus seinem Bauch zu befreien. Schließlich wurde aber auch dieser Idee nicht weiter nachgegangen.Obwohl die Ausarbeitungen und Skizzen sowohl charmant als auch unterhaltsam sind, suchte man letztendlich doch in andere Richtungen weiter und entschied sich schließlich für die heute bekannten Charaktere Klopfer und Blume, während die verworfenen Konzepte und die dazugehörigen Zeichnungen in den Archiven der Animation Research Library schlummerten.
Dienstag, 1. Februar 2011
Winter's Bone
Wenn sich ein Film mit der Auszeichnung "Sundance-Gewinner" schmücken darf, ist das für mich immer schon mal ein gewichtiges Kriterium, für diesen Film Interesse zu entwickeln. Im vergangenen Jahr war es das Thriller-Drama Winter's Bone, das den Großen Preis der Jury absahnen konnte.
Worum geht's? Ree Dolly (Jennifer Lawrence, dafür Oscar-nominiert) lebt in ärmlichen Verhältnissen in den hintersten Winkeln von Missouri, ist 17 Jahre alt und muss sich allein um ihre beiden jüngeren Geschwister kümmern. Ihre Mutter sitzt den ganzen Tag wortlos in einem Sessel, ihr Crystal kochender Vater ist auf Kaution aus dem Knast raus. Für den ersten Verhandlungstag vor Gericht ist er unauffindbar, weshalb die Kaution innerhalb von einer Woche droht fällig zu werden. Das wäre Ree komplett egal, hätte ihr Vater nicht das Haus und den angrenzenden Wald als Kaution gestellt. Nun begibt sich Ree also auf die Suche nach ihm, denn nur, wenn er vor Gericht erscheint, bleibt ihr und ihrer Familie ein Zuhause.
Die Suche nach ihrem Vater verläuft zunächst ein wenig nach immergleichem Muster. Person A sagt: Begib dich zu Person B, Person B sagt: Begib dich zu Person C, und so weiter. Auskunft gibt ihr niemand gern und je tiefer sie vordringt, desto mehr nimmt die Gesprächsbereitschaft der "Hinterwäldler" ab. Das wirkt zunächst ein wenig arg gewollt, doch je offener und deutlicher ihr der Hass entgegen schlägt, desto besser wird Winter's Bone. Irgendwann wird klar, dass nicht einfach nur ihr Vater verschwunden ist, sondern dass sich Ree in Angelegenheiten einmischt, die aus Sicht einiger besser im Verborgenen bleiben sollten.
Ich will hier nichts von einer "präzisen Beobachtung" oder ähnlichem schreiben, da ich keinen blassen Schimmer habe, wie das Leben in den Wäldern von Südmissouri aussieht. Ich belasse es bei: Winter's Bone ist intensiv gespielt, allen voran das beeindruckende Talent Jennifer Lawrence, und in seinen besten Momenten unterschwellig enorm spannend, dann, wenn niemand ein Wort sagen muss, nur aufgrund von düsteren Blicken eine bedrohliche Stimmung entsteht, und man sich nicht sicher sein kann, ob sich diese nicht gleich in roher Gewalt entlädt. Das alles eingebettet in eine Atmosphäre von Armut, Hass und Perspektivlosigkeit, aber hier und da auch ein wenig Menschlichkeit, und vollendet von einer bitteren Teufelskreis-Pointe, auch wenn diese dem Zuschauer nicht auf dem Silbertablett serviert wird.
Kino-Start: 31. März 2011
Winter's Bone in der IMDb, Trailer bei YouTube
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| (c) Ascot Elite |
Worum geht's? Ree Dolly (Jennifer Lawrence, dafür Oscar-nominiert) lebt in ärmlichen Verhältnissen in den hintersten Winkeln von Missouri, ist 17 Jahre alt und muss sich allein um ihre beiden jüngeren Geschwister kümmern. Ihre Mutter sitzt den ganzen Tag wortlos in einem Sessel, ihr Crystal kochender Vater ist auf Kaution aus dem Knast raus. Für den ersten Verhandlungstag vor Gericht ist er unauffindbar, weshalb die Kaution innerhalb von einer Woche droht fällig zu werden. Das wäre Ree komplett egal, hätte ihr Vater nicht das Haus und den angrenzenden Wald als Kaution gestellt. Nun begibt sich Ree also auf die Suche nach ihm, denn nur, wenn er vor Gericht erscheint, bleibt ihr und ihrer Familie ein Zuhause.
Die Suche nach ihrem Vater verläuft zunächst ein wenig nach immergleichem Muster. Person A sagt: Begib dich zu Person B, Person B sagt: Begib dich zu Person C, und so weiter. Auskunft gibt ihr niemand gern und je tiefer sie vordringt, desto mehr nimmt die Gesprächsbereitschaft der "Hinterwäldler" ab. Das wirkt zunächst ein wenig arg gewollt, doch je offener und deutlicher ihr der Hass entgegen schlägt, desto besser wird Winter's Bone. Irgendwann wird klar, dass nicht einfach nur ihr Vater verschwunden ist, sondern dass sich Ree in Angelegenheiten einmischt, die aus Sicht einiger besser im Verborgenen bleiben sollten.
Ich will hier nichts von einer "präzisen Beobachtung" oder ähnlichem schreiben, da ich keinen blassen Schimmer habe, wie das Leben in den Wäldern von Südmissouri aussieht. Ich belasse es bei: Winter's Bone ist intensiv gespielt, allen voran das beeindruckende Talent Jennifer Lawrence, und in seinen besten Momenten unterschwellig enorm spannend, dann, wenn niemand ein Wort sagen muss, nur aufgrund von düsteren Blicken eine bedrohliche Stimmung entsteht, und man sich nicht sicher sein kann, ob sich diese nicht gleich in roher Gewalt entlädt. Das alles eingebettet in eine Atmosphäre von Armut, Hass und Perspektivlosigkeit, aber hier und da auch ein wenig Menschlichkeit, und vollendet von einer bitteren Teufelskreis-Pointe, auch wenn diese dem Zuschauer nicht auf dem Silbertablett serviert wird.
Kino-Start: 31. März 2011
Winter's Bone in der IMDb, Trailer bei YouTube
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