Freitag, 21. Januar 2011

Hereafter - Das Leben danach

Clint Eastwood hat in den vergangenen Jahren allerhand bemerkenswerte Filme gedreht: Mystic River, Million Dollar Baby, Letters from Iwo Jima, Gran Torino. Sein neuer Film, der kommenden Donnerstag in den deutschen Kinos startet, gehört leider nicht dazu.

(c) Warner Bros. Ent.

Matt Damon kann mit den Toten kommunizieren und damit Geld verdienen (möchte es aber eigentlich nicht (mehr) tun). Cécile De France erlebt eine tsunamibedingte Nah-Tod-Erfahrung und schreibt darüber ein Buch. Frankie McLaren, 12 Jahre alt, verliert seinen Bruder und kommt damit nicht klar. Drei Episoden also, die erst am Ende zusammenlaufen. Clint Eastwood sollte so langsam die Finger vom Episoden-Drama lassen. Das hat schon bei Flags of Our Fathers nicht wirklich funktioniert, bei Hereafter tut es das noch weniger.

Auch in seinen besseren Filmen schrammt Eastwood häufig nur haarscharf und mit viel Wohlwollen an Klischees vorbei. Nun gelingt ihm das nicht, was das große Problem ist. Vor allem die Episode um die nahtoderfahrene TV-Journalistin hat außer Langeweile nicht allzu viel anzubieten. In der Episode des kleinen Jungen mit drogensüchtiger Mutter gibt's ein wenig Kritik an Spinnern, die meinen, mit den Toten sprechen zu können, in Wahrheit aber nur die Hinterbliebenen über den Tisch ziehen. Viel mehr aber auch nicht. Im Prinzip gibt nur die Episode mit Matt Damon halbwegs was her, weshalb der Film folgerichtig (in Wahrheit natürlich vor allem aufgrund seines Namens) mit seinem Charakter vermarktet wird. Es lässt sich spekulieren, ob Hereafter ein besserer Film geworden wäre, wenn Eastwood die beiden anderen Episoden herausgestrichen und die Laufzeit unter die Zwei-Stunden-Marke gekürzt hätte.

Bis auf eine intime Szene zwischen Matt Damon und Bryce Dallas Howard geht einem das gesamte Geschehen nie wirklich nahe. Was wirklich erstaunt, in Anbetracht der emotionalen Wucht, die doch beispielsweise Million Dollar Baby oder Gran Torino entwickelt haben. Das Kernthema "Leben nach dem Tod" bleibt letztlich auch komplett an der Oberfläche.

Die wenig überraschende Zusammenkunft der drei Hauptcharaktere wirkt vollkommen konstruiert und das Ende des Films kommt absolut uninspiriert daher. Es leuchtet nicht ein, was Eastwood an diesem Stoff gereizt haben mag. Es leuchtet auch nicht ein, wie Drehbuchautor Peter Morgan nur wenige Jahre nach seinen Oscars für Frost/Nixon und Die Queen sowas hier abliefern konnte. Die Fähigkeiten eines Clint Eastwood verhindern zwar, dass "Hereafter" zu einem totalen Ärgernis gerät. An einen Filmemacher wie ihn stellt man jedoch andere Ansprüche als "harmloses Mittelmaß". Am Ende ist es wohl sein schwächster Film der letzten Dekade. Die Hoffnungen dürften nun auf dem Biopic über FBI-Gründer J. Edgar Hoover (mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle) liegen, mit dem 2012/13 zu rechnen ist.


Kino-Start: 27. Januar 2011

Hereafter in der IMDb, Trailer bei YouTube (recht spoilerlastig)

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